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Trocknung von Obsthölzern
Karl Werner
30.04.01
Alle Hölzer enthalten enthalten einen gewissen Anteil an Feuchtigkeit,
je nach Baumart liegt dieser bei frisch geschlagenen Hölzern zwischen
20 und 60 %. Die Eigenschaft Wasser aufzunehmen oder auch abzugeben
("hygroskopisch" zu sein) behält das Holz zu allen Zeiten, egal ob es
sich um einen lebendern Stamm oder Jahrhunderte altes, bereits verarbeitetes
Holz handelt. Aufgesägtes und gelagertes Holz passt sich dabei genauso
wie ein fertig verarbeitetes Möbelstück dem Feuchtigkeitsgrad seiner
jeweiligen Umgebung an. Mit der Aufnahme bzw. Abgabe von Feuchtigkeit ist
eine Volumenänderung des Holzes (Quellen bzw. Schwinden) verbunden.
Diese Änderung ist bei jungem Splintholz wesentlich stärker als
bei dem älteren Kernholz. In Richtung der Markstrahlen (Radius)
beträgt das Schwinden bis zu 5%, in Richtung der Jahresringe dagegen
bis zu 10%. Am geringsten sind die Änderungen in Längsrichtung,
sie liegen hier nur bei 0,1 bis 0,3%. Da also die Volumenänderungen
in den drei Raumrichtungen unterschiedlich stark verlaufen (das Holz ist
"anisotrop"), ergeben sich bei Änderungen des Feuchtigkeitsgrades innere
Spannungen, die dann zu Formänderungen ("Werfen" oder "Verziehen"),
schlimmstenfalls aber auch zur Zerstörung des Fasergefüges
("Reißen") führen.
All diese Eigenschaften werden zusammengefaßt als "Arbeiten" des Holzes
bezeichnet. (Quelle: F.Spannagel, Der
Möbelbau).
Obsthölzer allgemein, insbesondere aber das vom Zwetschgen- oder Pflaumenbaum arbeit sehr stark, die Schönheit dieser Hölzer aber ist es wert, hier besonders auf einen geeigneten und vor allem vollständigen Trocknungsprozess zu achten. Auch bei einer ausreichend langen Lagerung im Freien ist eine Restfeuchte von 10-15% nicht zu unterschreiten, ganz einfach weil die Luft draußen feuchter ist als in unseren geheizten Wohnungen. Wird solches Holz unmittelbarin der Werkstatt verarbeitet, erfährt es als fertiges Produkt dann in den Wohnräumen eine weitere Trocknung, die gerade bei kleinen und feinen Werkstücken zu unangenehmen Folgen führen kann.
Bewährt hat sich hier die Methode, zunächst nur Rohlinge herzustellen, und diese dann für einige Zeit im geheizten Wohnbereich aufzubewahren. Gerade bei kleineren Drechselteilen dürfte es nicht allzuschwer sein, dafür ein geeignetes Plätzchen zu finden. Den Trocknungsvorgang nachweisen und beobachten kann man dabei ganz einfach durch ein Abwiegen in regelmäßigen Abständen - Gewicht und Datum werden dabei mit Bleistift auf dem Rohling notiert. Nach Ablauf von einigen Wochen wird man dann feststellen, daß die Änderungen immer kleiner werden und dann praktisch ganz verschwinden. Hat sich das Gewicht und damit der Feuchtigkeitsgrad eines solchen Rohlings stabilisiert, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, das Stück in der Werkstatt zu vollenden - ein weiteres Arbeiten oder gar Reißen ist nicht mehr zu befürchten.