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Birkenschale aus frischem
Stammholz
Karl Werner
16. Februar 2000

Entgegen dem bei den meisten Holzarbeiten gültigen Grundsatz, daß ausschließlich gut abgelagertes Holz verwendet werden sollte, bieten frisch geschlagene Hölzer bei der Verarbeitung auf einer Drechselmaschine eine sehr reizvolle Alternative.
Klar sein muß man sich dabei jedoch über die nachfolgenden
Punkte:
Werden die im Nachfolgenden jedoch noch näher erläuterten Vorsichtsmaßnahmen eingehalten und in die Gestaltung mit einbezogen, ergeben sich meist sehr reizvolle, und vor allem immer "einmalige" Stücke.
Für die Festlegung der Lage des Werkstücks relativ zur Achse des Stammes gibt es zwei Möglichkeiten:
Die mögliche Auswahl des Holzes beschränkt sich in diesem Fall auf feinporige, möglichst homogene Laubhölzer. Da das bei den meisten Obsthölzern vorhandene Kernholz weniger stark schwindet als das umgebende Splintholz, wird die Trocknung einer solchen, längs liegenden Schale problematisch. Empfehlenswert für diese Technik sind also ausschließlich Splintbäume (die keinen Kern besitzen), wie z.B. Ahorn, Birke oder Erle. Der Stammabschnitt sollte möglichst frisch sein und noch keinerlei Hirnriße aufweisen. Da bereits einige Stunden in der Sonne genügen um solche Riße zu verursachen, sind die Rundlinge entweder sofort in Foliensäcke einzutüten, oder aber es muß mit der Motorsäge nochmals eine Scheibe abgeschnitten werden. Abschnitte mit Astansätzen (Wechsel der Faserrichtung) sind ungeeignet. Da die Rinde optimalerweise mitverarbeitet wird, sollte diese möglichst unbeschädigt sein.
Der Formgebung sind bei dieser Technik enge Grenzen gesetzt. Soll die Rinde auch noch an der fertigen Schale sichtbar sein, was und der Schale einen besonderen Reiz verleiht, und gleichzeitig der gewachsene, ungleichmäßige Umfang in die Form mit eingehen, so wird dadurch der obere Rand der Schale bestimmt und auf dem Stammumfang zu liegen kommen. Der Durchmesser der Aufstandfläche ergibt sich aus dem verwendeten Spannfutter. Zwischen diesen beiden Grenzwerten lassen sich nun je nach Höhe des Stammabschnittes verschiedene Übergänge gestalten, die jedoch alle eine mehr oder weniger glockenähnliche Form haben werden. Gleichmäßige, geschwungene Linien ohne abrupte Wechsel begünstigen eine rißfreie Verformung der Schale während des späteren Trocknungsvorganges.
Die Wandstärke sollte optimalerweise überall gleich sein und sich im Bereich von 5-8 mm bewegen! Hierbei gilt: je dünner die Wandung, desto weniger Widerstand bietet das Holz der Verformung und umso geringer wird die Gefahr der Rißbildung. Nach unten begrenzt wird die Wandstärke lediglich dadurch, daß das rotierende Teil noch den Fliehkräften und dem Werkzeugdruck standhalten muß. Daß bei solch dünnen, im nassen Zustand durchscheinenden Wänden (deren gleichmäßige Stärke übrigens sehr gut mit einer Glühbirne kontrolliert werden kann) sehr viel Gefühl bei der Werkzeugführung notwendig ist, kann sich jeder leicht vorstellen. Einsteigern wird hierbei dringend geraten, mit kleineren Durchmessern zu beginnen und sich schrittweise die notwendige Fertigkeit - und vor allem eine ruhige Hand - anzueignen.
Zur Technik des Drechselns ist
zu bemerken, daß hierzu praktisch ausschließlich Spannfutter
mit Spreizsegmenten einzusetzen sind. Nebenstehendes Bild zeigt das hier
verwendete Präzisions-Spannfutter 1000.
Der flache Teil des Schalenbodens ist am Ende der Formgebung ganz auszudrehen
- um hierbei den Kontakt zwischen Beitel und Futter zu vermeiden, empfiehlt
sich eine Zwischenlage aus Karton. Sehr scharfe Werkzeuge sind Voraussetzung
zur Erzielung einer guten Oberfläche - nasses Holz läßt sich
nicht schleifen - und nach der Trocknung kann die dann unrunde Schale nicht
mehr auf die Maschine genommen werden. Bereits bei der Herstellung ist wichtig,
daß eine z.B. halbfertige Schale nicht für länger
Arbeitsunterbrechungen ungeschützt auf der Maschine bleibt - eine
Plastiktüte und ein Stück Schnur sollten hierfür immer
bereitliegen. Gegen Ende der Arbeit sollten möglichst gar keine
Unterbrechungen mehr notwendig werden, ist der Umfang erst mal unrund, lassen
sich die dünnen Wände praktisch nicht mehr nacharbeiten!
Der Boden der Schale, der das Zentrum des Stammes enthält,
muß wie bereits gesagt
ausgedreht werden, da sich sonst von dort
ausgehend unweigerlich Riße bilden. Dadurch aber, daß an der
Aufstandfläche nur ein Ring stehen bleibt, kann sich die Schale bei
der Trocknung (unter Umständen auch oval) verformen und den auftretenden
Spannungen nachgeben. Nach dem Ende dieses Prozesses kann dann eine passende
Hirnholzscheibe hergerichtet und eingeleimt werden. Der vom Einstich für
die Spreizsegmente herrührende Absatz ist dafür sehr gut geeignet.
Wird die Scheibe aus einem als Ganzes getrockneten Rundling der gleichen Holzart
hergestellt, so wirkt die Schale danach wieder wie aus einem Stück.
Der Trocknungsvorgang muß kontrolliert ablaufen, keinesfalls darf das fertige Teil die Nacht in der Werkstatt oder gar im Wohnzimmer verbringen! Ein kühler, möglichst feuchter Kellerraum sollte die erste Station sein, wobei die ersten Tage sogar noch eine löchrige Plastiktüte locker um die Schale gelegt werden sollte. Diese kann im Lauf der ersten Woche immer weiter geöffnet und schließlich entfernt werden. Da sich in diesem, noch sehr feuchten Stadium möglichwerweise auch Schimmelpilze einfinden, empfiehlt sich insbesondere bei hellen Hölzern die (einmalige) Verwendung eines Desinfektionsmittels. Die zweite Woche vergeht dann ohne Folie und man kann sich bereits nach einem weiteren geeigneten Zwischenlager umsehen. Je nach Zustand -:) und Gegebenheiten des Hauses lassen sich sicherlich noch weitere Räumlichkeiten finden, so daß der Feuchtegehalt der Schale schrittweise reduziert werden kann. Bis zur Rückkehr in die Werkstatt sollten jedoch mindestens 4 Wochen vergehen.

Vor der Endbehandlung einer solchen Schale ist zu empfehlen,
sie auch eine gewisse Zeit im Wohnzimmer bzw. einem zentralgeheizten Raum
aufzubewahren, am besten zusammen mit dem Rohling des nachträglich
einzusetzenden Bodens. Sind beide Teile dann durchgetrocknet und besitzen
die gleiche Restfeuchte, gibt es nach dem Zusammenfügen keine
Überraschungen mehr. Das Schleifen eines solchen Schale ist reine
Handarbeit, die entstandenen Verformungen sind i.A. so stark, daß ein
erneutes Spannen auf der Maschine nicht möglich ist. Zur
Oberflächenbehandlung solcher Schalen hat sich das auf Tung-Öl
basierende Danish Oil bestens bewährt, aber auch Walnußöl oder div. Holzwachse
können verwendet werden.
