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Garderobenschiff für Kinder
Werner Seibert
02. März 2000

Unsere Jungs haben schon immer gern und viel Zeit in meiner Holzwerkstatt verbracht (unter Aufsicht, versteht sich). Die übrig gebliebenen und gesammelten Holzabschnitte waren waren ja auch viel interessanter als genormte Bauklötze und ließen sich zu allen möglichen (und unmöglichen) Dingen zusammensetzen.
Nachdem sie dann mal soweit waren, daß sie auch mit einfachem Werkzeug umgehen konnten, haben wir immer wieder mal versucht, den Bedarf an Gebrauchsgegenständen mehr oder weniger spontan in ein Werkstück umzusetzen. Die hier abgebildete Schiffsform ist auf diesem Wege als Koproduktion entstanden.
Mir ist klar, daß dies keine
Meisterleistung aus einer Holzwerkstatt ist! Trotzdem möchte ich dieses
Bild hier zeigen, geht es mir doch mehr darum zu beschreiben, wie man
zusammen mit Kindern und ohne Bauplan an einem trüben Sonntag gemeinsam
ein solches Teil erschaffen kann.
Am Anfang also der Bedarf: wir brauchen eine passende Garderobe (weil sonst alle Klamotten im Flur herumliegen, da die Erwachsenengarderobe noch unerreichbar hoch ist). Dann die Frage: was soll es den sein: ein Flugzeug wäre schön, aber schwierig umzusetzen, also ein Schiff! Jeder zeichnet ein Schiff - am Schluß versuche ich brauchbare Komponenten aus den "Entwürfen" zusammenzufügen und daraus eine maßstabsgerechte Skizze anzufertigen. Nach einigen Diskussionen und Veränderungen wird dieser schließlich genehmigt und sofort in die Tat umgesetzt.
Die letzt Skizze wird mit der Schere in die Komponenten zerlegt, in der Zwischenzeit suche ich einige Brettchen Fichte (15-18 mm stark) aus meinen Restbeständen heraus. Der Schiffskörper (ca. 50 cm lang) kann genauso wie die anderen Teile durch Auflegen und Nachmalen der Papiermuster direkt auf die Brettchen übertragen werden. Bei Mast, Kajüte und dem vorderen Aufbau sind Zugaben vorzusehen, um diese dann von hinten an den Schiffskörper schrauben zu können. Ausgesägt wird mit der Stichsäge (Papa hilft). Einen schönen, aber einfach zu erzielenden Effekt erhält man, wenn die vorderen Kanten der Außenkonturen unregelmäßig mit dem Schnitzmesser bearbeitet werden. Schleifen und farblich beizen ist wieder ausschließlich Sache der Kinder. Für die Bullaugen und Garderobenhaken kann man mit einfachen Holzscheiben und Dübelholz arbeiten, hier habe ich jedoch 5 auf einer umgerüsteten Bohrmaschine gedrechselte Buchenteile beigesteuert. Der Anker schließlich (der war SEHR wichtig!) wurde mit der Laubsäge aus Sperrholz ausgeschnitten. Nach dem Trocknen der Beizen werden die Teile einfach von hinten verschraubt und mit Holzwachs fertig behandelt.
Nicht nur, daß damit der Sonntagnachmittag gut ausgefüllt war, wir alle unseren Spaß hatten und sicher auch einiges an Know-How vermittelt wurde, war das Ergebnis der Aktion recht brauchbar und wurde über lange Zeit genutzt.