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Apfel- und Kirschbaum "grün"
gedrechselt
Karl Werner
10. Juni 2000

Wie bereits in einem vorangehenden Beitrag beschrieben (Birkenschale aus frischem Stammholz ) gibt es mehrere Möglichkeiten, die Lage des Werkstückes innerhalb des Stammes festzulegen. Hier nun 2 Beispiele, bei denen die Drehachse senkrecht auf der Stammachse steht.
Da der Kern in jedem Fall entfernt werden muß, kann maximal mit einem halbierten Stammabschnitt gearbeitet werden. Daraus folgen nun 2 mögliche Varianten, die in der nachfolgenden Zeichnung skizziert werden:
Bei
der Anordnung A liegt die Oberkante der Schale nahe der Mitte
des Stammes, dadurch kann der maximal mögliche Durchmesser genutzt werden.
Innerhalb der vom Halbstamm vorgegebenen Abmessungen sind prinzipiell alle
möglichen Formen denkbar. Möchte man die sich zwangsläufig
während des Trockungsprozesses ergebende Verformung noch unterstreichen,
sind flache oder auch bauchige Glockenformen besonders geeignet. Je nach
Art und Wuchs des Ausgangsmaterials werden sich die flach auslaufenden
Ränder im Kernbereich nach oben, im Splintbereich nach unten ziehen.
Die ursprüngliche Kreisform schrumpft zum Oval und die Schale bekommt
dadurch eine gewisse 'organische' oder 'gewachsene' Form. Astansätze
oder sonstige Verwachsungen sollten bei dieser Formgebung nicht mitverarbeitet
werden, da der Rand sich sonst ungleichmäßig oder wellig verziehen
kann. Die obige Photographie zeigt eine solche bauchige Glockenform
(Durchmesser 33 cm) aus einem frisch gefällten Apfel-Hochstamm
gedreht.
Wird die Anordnung B gewählt, wird die Schale zwar kleiner, es besteht jedoch die recht reizvolle Möglichkeit, die gewachsenen Randzone des Stammes in die Formgebung mit einzubeziehen.
Je größer der Durchmesser am oberen Rand gewählt wird, um so "ovaler" wird die Schale. Nebenstehendes Beispiel aus Kirschbaum hat die Abmessungen 43 x 21 cm bei einer Höhe von 10cm. Das Ausdrehen der Schale muß aber in diesem Falle mit sehr viel Gefühl erfolgen, da die Eisen nur noch in kleinen Bereichen des Umfanges schneiden. Da frisches Holz sich jedoch wesentlich leichter zerspanen läßt als durchgetrocknetes, ist die Neigung zum Schlagen dennoch gering. Die Wandstärke liegt hier zwischen 5 mm am Rand und ca. 8 mm am Boden. Der Fußdurchmesser ergibt sich aus dem verwendeten Spannfutter (hier 65 mm Spreizsegmente). Die verbleibende Rinde wird zum Schluß mit einem Messer abgenommen werden. Während des Trocknens würde sie sich sowieso teilweise ablösen, und in feuchtem Zustand ist sie wesentlich leichter zu entfernen.
Für die Auswahl des Holzes, die zu beachtenden Wandstärke, die Technik des Drechselns sowie den Trocknungsvorgang wurden bereits Hinweise im Beitrag Birkenschale aus frischem Stammholz gegeben, diese gelten generell für alle "grün"-gedrechselten Schalen.
