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Wohnzimmertisch in Form eines Buchenblattes
Michael Molter
24. November 2002
michael.molter(at)web.de
Idee: Die Grundidee bestand darin, einen Tisch zu bauen,
der durch seine natürliche Formgebung eine besondere Ausstrahlung besitzt.
Rahmenbedingungen: Zur Umsetzung des Projektes sollten nur natürliche Werkstoffe zum Einsatz kommen. D.h. Schrauben oder Dübel zur Herstellung von Verbindungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
Umsetzung: Um einen Tisch mit einer möglichst natürlichen Formgebung zu erhalten konnte nur die Natur selbst Pate stehen. Deshalb wurden bei einem Herbstspaziergang Laubblätter im Wald gesammelt und getrocknet. Diese wurden anschließend photographiert und als Diapositive entwickelt. Aus den verschiedenen Blattformen wurde die uns für einen Tisch am geeignetsten erscheinende Form eines Buchenblattes ausgewählt.
Mit Hilfe eines Diaprojektors wurde das Blatt auf eine Tapete projiziert und der Umriss sowie die Blattadern abgezeichnet. Dies wurde in zwei Größen für die Tischplatte und darunter liegende Ablageplatte ausgeführt.
Um eine Harmonie zwischen Form und Material zu erreichen wurde als Holz Buchenholz ausgewählt. Aus 40 mm dicken Brettern wurden die Blattsegmente ausgesägt. Die Blattadern entsprechen dabei den Leimkanten zwischen den einzelnen Segmenten. Da die Blattadern aus Aufwandsgründen nicht formgenau nachgebildet werden konnten, wurde aber darauf geachtet, dass der Verlauf der Adern zur Blattachse (Stiel) nachgebildet wurde. Die Blattadern verlaufen zur Blattspitze hin in einem immer spitzeren Winkel zur Blattachse. Durch die Wahl unterschiedlich gemaserter Hölzer für die Segmente, wirken die Leimkanten wie Blattadern.
Die Segmente wurden, nachdem sie auf gleiche Dicke gehobelt waren, in mehreren Schritten miteinander verleimt, so dass zwei Blatthälften entstanden. Diese wurden dann miteinander verleimt, so dass die vollständige Tischplatte entstand. Das gleiche Verfahren wurde auch für die kleinere Ablageplatte angewendet.
Da die Platte eine Größe von ca. 1,50 m x 1,15 m
aufweist, wurde sie in mehreren Arbeitsgängen mit einer Rauhbank, einer
Ziehklinge und Schleipapier verschiedener Körnungen geglättet.
Das Untergestellt besteht aus vier Beinen mit quadratischem Querschnitt, die mit Loch und Zapfen-Verbindungen mit den Zargen (Auflage der Tischplatte) verbunden wurden. Die kleinere Ablageplatte wurde passgenau in die Tischbeine eingearbeitet, so dass die gesamte Konstruktion ohne Schrauben und Dübel auskommt.
Zum Abschluss wurde der gesamte Tisch mehrfach geölt, um ihn gegen die Belastungen des Alltages widerstandsfähig zu machen.
Nachtrag: Probleme beim Wohnzimmertisch in Form eines
Buchenblattes
Michael Molter
30. Dezember 2002
michael.molter(at)web.de
Da sich im Zusammenhang mit dem oben beschrieben Tisch einige kleinere Probleme ergeben haben, sollen diese nachfolgend beschrieben und zur Diskussion gestellt werden. Bei einem eventuellen Nachbau könnte dies somit gleich berücksichtigt und die Probleme von vorneherein vermieden werden.
Das erste Problem ist bereits beim Bau aufgetreten. Die Tischplatte ist aus zwei Hälften zusammengesetzt. Die Leimkanten hatte ich jeweils auf einem Abrichthobel (kleinste Maschine von Kitty) glattgehobelt und dann zusammengeleimt. Entweder hat sich beim Zusammenleimen oder kurz danach die Tischplatte etwas verzogen. Als ich sie Tage später auf das Untergestell aufleimte, riß die Blattachse am unteren Ende (Stiel) etwa 30 cm lang und ca. 0,5 - 1 mm breit auf. Den Riß habe ich mit Leim gefüllt und nach dem Austrocknen mit Holzkitt gefüllt, so daß er kaum auffällt. Mögliche Ursachen aus meiner Sicht: - Die Blatthälften waren nicht 100% eben, sodaß der Druck beim Verleimen zum Aufplatzen führte. - Die Leimkanten waren nicht 100% eben, sodaß beim Verleimen (unter Druck) eine Spannung aufgebaut wurde. - Das Holz hat sich verzogen, da zwischen den einzelnen Arbeitsgängen immer mehrere Tage Zeit vergingen.
Das zweite Problem hat sich erst Monate später herausgestellt, als der Tisch bereits im Wohnzimmer stand. Im Untergestell war die Zwischenablage (kleineres Buchenblatt) paßgenau eingearbeitet und verleimt. D.h. ein Teil der Platte ragt ca. 8 mm jeweils in eine Ausbuchtung in jedem Tischbein. Nach Monaten stellte ich fest, daß eine solche Leimstelle aufgegangen war und ein ca. 2-3 mm breiter Spalt entstanden war. Mögliche Ursachen aus meiner Sicht: - Verformung der Zwischenablage durch Änderung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. - Verformung der Tischplatte und dadurch Spannung auf dem Untergestell.
Das dritte und kleinste Problem liegt daran, daß ich beim Verleimen der Platte nicht ausreichend auf den Verlauf der Maserung geachtet habe. Die Tischplatte weist an einigen wenigen Leimkanten der Holzsegmente kleinere Kanten auf. Die Platte fühlte sich zu beginn absolut glatt an und jetzt hat man das Gefühl, daß einzelne Segmente etwas dicker als andere sind und dadurch eine Kante entsteht. Ich vermute, daß dies am unterschiedlichen Verlauf der Maserung liegt und der damit verbundenen unterschiedlichen Ausdehnung.
Fallen Ihnen zu den Punkten direkte Fehler auf, die ich gemacht habe?
Welche Möglichkeiten bieten sich dem Heimwerker, Platten und Kanten dieser Größe eben und paßgenau herzustellen, wenn keine groß dimensionierten Maschinen zur Verfügung stehen? (Hilft hier vielleicht nur mehr Geduld als ich sie hatte?)
War es ein Fehler, die Tischplatte auf das Untergestell aufzuleimen? Ich habe es getan, um ein Verziehen der Platte zu unterbinden. In den meisten Anleitungen findet man Verbindungen, die eine Ausdehung der Platte ermöglichen. Da sich der Verlauf der Maserung vom Blattstiel zur Blattspitze verändert, hatte ich jedoch ein Verwerfen der Platte befürchtet, wenn ich sie nicht fixiere.
Anmerkung: Karl Werner
19. Januar 2003
Vom Aufleimen massiver Platten auf Untergestelle ist generell abzuraten. Das Ausdehen und Schwinden des Holzes allein bedingt durch den unterschiedlichen Feuchtegehalt der Luft im Haus (Sommer - ohne Heizung - feucht / Winter - mit Heizung - trocken) hat zwangsläufig Maßänderungen zur Folge. Ist die Platte zu fest "eingespannt", z.B. durch Verleimung mit Teilen anderer Faserrichtung, sind Riße eine unweigerliche Folge. Solche Platten lassen sich aber trotzdem "geradehalten", falls dies überhaupt notwendig sein sollte. Konstruktive Maßnahmen, wie z. B. Gratleisten and der Unterseite (nur eingeschoben und fixiert, nicht geleimt) oder aber eine Verschraubung durch Langlöcher in den Zargen halten zwar in Form, erlauben aber gleichzeitig das Arbeiten des Holzes.
Die nach einigen Monaten auftretenden kleineren Kanten an den Verleimstellen der einzelnen Segment deuten darauf hin, daß das Holz noch nicht weit genug getrocknet war, bzw. einen anderen Feuchtegrad hatte, als das Wohnzimmerklima. Durch die unterschiedliche Lage der Jahresringe in den einzelnen Bretter dehnen oder schwinden diese Teile auch verschieden stark. Dies jedoch allein durch eine gleichmäßige Anordnung, d. h. Auswahl der verwendeten Lagen vemeiden zu wollen, dürfte sehr schwierig bis unmöglich sein. Gerade bei der Fertigung für den eigenen Bedarf aber bietet es sich an, das zunächst nur grob vorgerichtete Material für eine zu fügende Platte eine Weile dort zwischen zu lagern, wo auch später das fertige Möbel stehen soll (zumindest in einem bewohnten Raum, vielleicht oben auf einem Schrank oder unter dem Sofa :-). Nimmt man ein Teil davon gelegentlich auf die Waage und notiert das Gewicht, kann man den Verlauf des Trocknungs- oder Angleichungsprozesses sogar sehr gut kontrollieren. Werden die Änderungen sehr klein, kommt das ganze wieder in die Werkstatt und sollte dann zügig zu Ende verarbeitet werden.