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Öle - trocknend, halbtrocknend und nichttrocknend

Andrea Glatthor
25. Oktober 2000
A.Glatthor(at)t-online.de

Beim Ölen von Holzoberflächen sollen die natürlichen Eigenschaften des Holzes möglichst beibehalten werden, und trotzdem soll die Fläche gut zu reinigen sein und wasserabweisend wirken. Beim Ölen wird das dadurch erreicht, daß das "Öl" in das Holz einzieht und keine aufliegende Schicht an der Oberfläche bildet. Duch die fehlende Schichtbildung gibt es auch keine Gefahr des Reißens oder Zerkratzens und den damit einhergehenden Verlust der schützenden Wirkung. Durch welche Umstände auch immer beschädigte Bereiche können jederzeit wieder nachgearbeitet werden.

Öl ist die Sammelbezeichnung für wasserunlösliche, organische Verbindungen mit relativ geringem Dampfdruck, deren übereinstimmendes Merkmal nicht die chemische Struktur, sondern die physikalische Konsistenz ist.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen
- Mineralölen aus Erdöl sowie vollsynthetische Öle
- pflanzlichen und tierischen fetten Ölen
- etherischen Ölen, also duftenden, flüchtigen Ölen aus Pflanzen

Die Öle lassen sich nach dem Gehalt an Doppelbindungen und ihrer damit verbundenen Fähigkeit, durch Einwirkung von Luftsauerstoff zu trocknen, unterteilen in:
- trocknende Öle (sehr viele Doppelbindungen, Iodzahl > 170)
- halbtrocknende Öle (einige Doppelbindungen, Iodzahl 100 - 170)
- nichttrocknende Öle (wenig oder keine Doppelbindungen, Iodzahl < 100)

(Die Iodzahl ist nach DIN 53241 eine Maßzahl für den Gehalt an Doppelbindungen.)


Trocknende Öle

Öle, die ungesättigte Fettsäuren als Triglycerid enthalten enthalten, werden als trocknende Öle bezeichnet. Der Ausdruck beschreibt die Fähigkeit dieser Öle, unter Einfluss von Luftsauerstoff zu festen, zäh-elastischen Filmen aufzutrocknen (oxidative Härtung). Trocknende Öle unterscheiden sich von den nichttrocknenden Ölen dadurch, dass sie, in dünner Schicht der Luft ausgesetzt, trocknen. Die trocknenden Eigenschaften sind die Folge eines höheren Gehaltes an mehrfach ungesättigten Säuren wie Linol- und Linolensäure. Diese Fettsäuren nehmen rasch Sauerstoff aus der Luft auf, polymerisieren und werden dabei zu einem festen Film.

Trocknende Öle sind zum Beispiel: Leinöl, Sojaöl, Hanföl, Sonnenblumenöl, Mohnöl, Nussöl, Rapsöl, Holzöl, Ricinenöl.

Nach ihren Trocknungseigenschaften und den Eigenschaften des entstehenden Films unterscheidet man "leinölartig" und "mohnölartig" trocknende Öle.

Leinölartig trocknend sind Leinöl und Holzöl. Diese trocknen rasch, die gebildeten Filme erweichen beim Erwärmen nicht und in organischen Lösungsmitteln lösen sie sich nicht (quellen aber auf).

Die mohnölartig trocknenden Öle, wie Mohnöl, Nußöl, Hanföl, Sonnenblumenöl und Sojaöl trocknen nur langsam. Die Filme erweichen beim Erwärmen und sind in bestimmten organischen Lösungsmitteln löslich.


Trockenstoffe (Sikkative)

Manche trocknendende Öle trocknen nur sehr langsam und wenn eine schnellere Trocknung als die natürliche notwendig ist, muss ein Trockenstoff zugesetzt werden. Diese wirken als Katalysatoren und sind (chemisch gesehen) synthetische Schwermetallseifen. Früher verwendete man giftige Blei- und Bariumseifen, heute sind es Zirkonium-, Kobalt-, Calcium-, Mangan- und Eisenverbindungen.


Trocknende Öle sind bei der Oberflächenbehandlung von Holz in jedem Fall vorzuziehen!

Einfaches Speiseöl  (reines oder gemischtes pflanzliches Öl) kann nicht reagieren und "trocknen" - es verharzt viel zu langsam, zieht tief ins Holz ein und die Oberfläche ist schon nach kurzer Zeit wieder ungeschützt. Nach außen aber bleibt das Holz immer "fettig", hält den Staub fest und führt bald zu einer unansehnlichen Oberfläche.


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